Man spricht (nicht nur) Deutsch.

Der Fachbereich Deutsch an der Theodor Heuss Gemeinschaftsschule Berlin.

Man spricht (nicht nur) Deutsch.

In unseren Klassen sitzen  Harun, Albina, Sonitha, Fabian, Dustin, Ayse und Zaynap zusammen, 25   SchülerInnen mit Einwanderungsgeschichten, neu Zugezogene und Geflüchtete, alles Berliner Kinder und Jugendliche.

Bei den ca. 1000 SchülerInnen der THG können wir auf die Vielfalt von 33 Herkunftssprachen zurückgreifen.

Diese Sprachenvielfalt ist unser Potential und gleichzeitig unsere tägliche Herausforderung. 

Oḡlum, was guckst du?     …..

Sind derartige Sätze, die wir im Schulhof oder zwischen den Unterrichtsstunden hören, ein Grund zur Sorge? Natürlich nicht! Der Fachbereich Deutsch ist sich darüber bewusst, dass das in vielfacher Form kritisch und negativ diskutierte Phänomen der Sprachmischung -wie fälschlicher Weise oft gedacht und argumentiert wird- nichts mit ‚doppeltem Semi-Lingualismus‘, ‚Sprachverlust‘ oder ‚Dummheit‘ zu tun hat. Im Gegenteil, es erfordert höhere kognitive und sprachliche Leistung sich kontextbedingt aus zwei Sprachen zu bedienen und diese innerhalb eines Satzes oder eines Gespräches so zu integrieren, dass der Inhalt verständlich transportiert wird. Ebenso wird der Sprachwandel durch Sprachmischung begünstigt. Sprachmischung ist das Ergebnis eines natürlichen Vorgangs. Unser Ziel ist es, die Mehrsprachigkeit unserer SchülerInnen zu würdigen und aufzugreifen, sie in den Unterricht zu implementieren und dennoch die deutsche Bildungssprache zu vermitteln. Eine weitere wichtige Aufgabe sehen wir darin, den SchülerInnen zu verdeutlichen, dass es verschiedene Sprachregister gibt und diese je nach Situation sinnvoll eingesetzt werden, so zum Beispiel der Unterschied zwischen der gesprochenen und der geschriebenen Sprache.

Was brauchen mehrsprachige SchülerInnen von ihren DeutschlehrerInnen, was erwarten sie vom Deutschunterricht? 

Was braucht das Fachkollegium an Fertigkeiten und Kompetenzen, um die Mehrsprachigkeit unserer SchülerInnen adäquat zu würdigen und konstruktiv in den Deutschunterricht zu integrieren? Und vor allem wozu?  Dass diese Fragestellungen derzeit auch die Bildungspolitik sehr beschäftigt, kann man dem  21. Fachbrief Deutsch vom März 2016 entnehmen. Die Senatsverwaltung und das LISUM widmen diesem Thema einen ganzen Fachbrief mit dem Titel „Durchgängige Sprachbildung / Deutsch als Zweitsprache“, in der sie uns LehrerInnen darauf aufmerksam machen, dass „kontrastive Sprachbetrachtung & Sprachreflexion dem Erwerb von Sprachwissen und der Schärfung von Sprachbewusstheit“ dienen. Diese Art der Sprachvermittlung ist im neuen Rahmenlehrplan deutlich aufgewertet und verbindlich platziert.

Vor allem wir, die DeutschlehrerInnen, können mit dem „Language Awareness“ Ansatz die Herkunftssprache unserer SchülerInnen wertschätzen und ihnen den Raum geben, über ihre Sprache nachzudenken und zu sprechen. Auf diese Weise erreichen wir bei unseren SchülerInnen Sprachaufmerksamkeit, Sprachbewusstsein und Sprachsensibilisierung.

Wir sind stolz auf die Sprachenvielfalt an unserer Schule, nehmen die Erstsprache unserer SchülerInnen ernst und würdigen sie. Für uns hat jede Sprache den gleichen Stellenwert. Die THG ist ein Ort der mehrsprachigen, interreligiösen und interkulturellen Begegnung. Und das ist gut so!