Gedenken an der THG anlässlich des Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz – Internationaler Holocaust-Gedenktag

Sonntag, 27.01.19

Am Gedenkort Güterbahnhof Moabit gedachten Schülerinnen und Schüler des Wahlpflichtkurses Politik-Medien-Theater gemeinsam mit Mitgliedern und Freunden des Vereins Tanz Theater Dialoge der Opfer des Holocaust. Szenisch gelesen wurden Texte, die u.a. an die Kinderbuchautorin Else Ury erinnern, die am 12. Januar 1943 vom Güterbahnhof Moabit nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurde.

Ein kleiner schwarzer Koffer.
Ein Ausstellungsstück, beschriftet mit weißer Farbe: „Else Sara Ury Berlin Solingerstr. 10“. Zu sehen in der Gedenkstätte der Wannseekonferenz zum Völkermord an den europäischen Juden.
Von Zuhaus nach irgendwo wird der Koffer reisen. Weisungsgemäß mit Name und Adresse versehen, fertig gepackt. Alles muss bereit sein. Vor allem der Koffer. Die Anweisung vom Reichssicherheitshauptamt ist zugestellt. Die Liste mit den Kleidungsstücken: Hemden, Socken, Unterhosen. Anzahl und Art sind genau festgelegt. Sie wird den Koffer nehmen, in den Abendstunden, wenn der Lastwagen sie abholt, um sie zur Deportationssammelstelle zu bringen. Von dort wird es zum Güterbahnhof in Moabit gehen, in den frühen Morgenstunden, in Kälte und Dunkelheit.
Der Koffer wird mit mehr als 1000 anderen im Kofferwaggon landen, (…)
Es klingelt. Ein Lastwagen mit laufendem Motor steht vor der Tür. Sie nimmt den Koffer und geht los. Aus der Solingerstraße 10, dem Judenhaus, in dem sie seit 1939 wohnt. Im Lastwagen stehend, sich aneinander festhaltend, zur Deportationsstelle, einst Altenheim der Jüdischen Gemeinde, Große Hamburger Straße 26 heißt die Adresse. Und dort? Wird sie lange warten müssen auf den Weitertransport?(…)
Heute ist die Welt dunkel und kalt. Nichts mehr, was einst ihr Leben lebenswert machte. Parkbänke – für Juden verboten! Wälder – für Juden verboten! Die öffentlichen Verkehrsmittel – für Juden verboten!
Seit Tagen dreht sich alles nur um Listen. Sie hat ausgefüllt und unterschrieben:
„Else Sara Ury“. (…)

aus: Marianne Brentzel, Nesthäkchen kommt ins KZ. Annäherung an Else Ury.

Zum Abschluss mahnten die Schülerinnen und Schüler mit einem selbst geschriebenen Lied, immer und überall Verantwortung für das, was in der eigenen Umgebung passiert, zu übernehmen.

Züge fahren vorbei und nehmen
Leute mit.
Menschen steigen ein, doch
kamen nie zurück.
Menschen sahen zu und
unternahmen nichts.
Wo führt das alles hin, wo führt das alles hin.

Was passiert, wenn nichts passiert, wenn nichts passiert, nichts passiert.

Warum steht ihr nur da?
Warum tut ihr nichts?
Warum helft ihr nicht?
Warum hört ihr nicht hin?

Was passiert, wenn nichts passiert, wenn nichts passiert
NICHTS passiert.

Text: Joy Akpadiaha, Jamal Walmsley, Alexandre Decoupigny
Komposition: Alexandre Decoupigny, Joy Akpadiaha

Montag, 28.01.19

Anlässlich des internationalen Holocaust-Gedenktages stellt die Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz in der Aula unserer Schule neue Unterrichtsmaterialien zum Thema Deportation vor. Unter Mitwirkung des Schulchores und der Schülerinnen und Schüler der Arbeitsgemeinschaft Erinnern gedachten wir gemeinsam der Menschen, die in den Jahren des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden.

Zu Beginn sprach unser ehemaliger Kollege Itai Böing am Gedenkort den Kaddisch. Er gedachte der Kollegen Prof. Eugen Wolbe und Moritz Arndt der damalige Fichte-Realschule, dem Vorläufer unserer heutigen Schule. Beide wurden aufgrund ihres jüdischen Glaubens 1933 entlassen und in den Tod getrieben. Seit 2003 erinnert in unserer Schule eine Gedenktafel in 28 Sprachen an sie.


Als besonderen Gast durften wir danach die Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales Sawsan Chebli begrüßen. Sie beeindruckte mit ihrer Rede, in der sie als Deutsche palästinensischer Herkunft die Bedeutung des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus betonte.

 

 

Mittwoch, 30.01.19

denk!mal, Jugendforum im Berliner Abgeordnetenhaus am internationalen Holocaust Gedenktag

Mit einer szenischen Lesung der Geschichte der Jüdin Miriam Kremin, der 1942 die Flucht aus dem Ghetto in Dubno/Polen gelang, beteiligten sich die Schülerinnen und Schüler der Arbeitsgemeinschaft Erinnern am diesjährigen Jugendforum denk!mal des Berliner Abgeordnetenhaus.